Sinti und Roma haben die europäische Kultur entscheidend mitgeprägt: die Erzähltradition in Deutschland, das Karagöz-Schattenspiel in der Türkei, den Flamenco in Spanien, die Musik in Ungarn und in der modernen Klubkultur weltweit. Doch seit Jahrhunderten wird das Volk von Nicht-Roma beobachtet, beurteilt und verurteilt, ist Opfer von Flucht und Vertreibung, Aggressionen und Mord. Etwa 100.000 Sinti und Roma leben in Deutschland, über 10 Millionen in ganz Europa. Ihre Geschichte und Traditionen haben Roma lange nur mündlich von einer Generation zur nächsten überliefert, daher ist über ihre Kultur nur wenig bekannt.
Das erste Sinti- und Roma–Hörbuch taucht mit Informationen, eindrucksvollen Zitaten und vielfältiger Musik tief in das Leben des Volkes ein. Rolf Becker und Anne Moll erzählen, wie historische Ereignisse weltweit die Kultur der Roma geprägt haben. Die faszinierende Hörreise führt zu den Ursprüngen des Volkes in Indien über seine Wege nach Europa und Südamerika bis zum gegenwärtigen Leben und Schaffen, das u.a. im ersten Pavillon für Roma-Künstler auf der Kunst-Biennale 2007 in Venedig präsentiert wurde.
Die preisgekrönte Autorin Anja Tuckermann (u. a. Kurt-Magnus-Preis der ARD, Friedrich Gerstäcker Preis) macht mit Erzählungen und Romanen der Roma vertraut, mit Lyrik, Theater, Schattenspiel, Handwerk, Kunst, Film und Musik und mit herausragenden Künstlern, u. a. dem Jazz-Gitarristen Django Reinhardt, der Sängerin Ezma Redzepova, dem Flamenco-Star El Camarón, den Dichtern Matéo Maximoff, Bronislawa "Papusza" Wajs, Ceija Stojka und ihrem Bruder, dem Maler Karl Stojka, und der Regisseurin Laura Halilovic.
Der kulturelle Reichtum ist besonders in der Musik und in der Erzählkunst der Sinti und Roma lebendig. Das größte Kulturgut, das sich Sinti und Roma über die Jahrhunderte hinweg bewahren konnten, ist ihre Sprache, das Romanes. Indien gilt als Ursprungsland der Sinti und Roma. Über ihre soziale Situation in dieser Frühzeit ist fast nichts bekannt. Not, Kriege und Vertreibung zwangen Sinti und Roma, ihre Heimat zu verlassen. Diskriminierung und Flucht wurden zur Lebensrealität – bis zum Massenmord im 2. Weltkrieg durch die Nazis, fast 300.000 Sinti und Roma fielen ihm zum Opfer.
Das Hörbuch begibt sich auf Spurensuche und führt über die Jahrhunderte hinweg chronologisch durch die Kultur und Geschichte der Sinti und Roma. Wo die Ursprünge ihrer Kultur liegen und wie es den Sinti und Roma seit Jahrhunderten als Teil unserer Gesellschaft gelingt, diese zu bewahren und weiterzuentwickeln, präsentiert die Autorin Anja Tuckermann sehr lebendig mit zahlreichen Zitaten und vielen Musikbeispielen. Das klingende kulturhistorische Hörbuch für Jugendliche und Erwachsene macht medial und zeitgemäß auf Menschen neugierig, deren Geschichte für viele immer noch im Verborgenen liegt.
Rom = Roma-Mann; Ehemann, Romni = Roma-Frau; Ehefrau
manuš [manush] = Mensch (Singular, männlich), manušni = Mensch (Singular, weiblich), manuša [manusha] = Menschen (Plural, männlich)
Sprache: Romanes, auch Romani - gehört zur indoarischen Sprachfamilie
Das Romanes hat sich durch den Einfluss der jeweiligen Landessprachen sehr stark differenziert, so dass es heute unzählige Sprachvarianten und Dialekte gibt. Immer haben die Roma ihre eigene Sprache gesprochen. Seit dem 18. Jahrhundert ist Sanskrit als der Ursprung des Romanes nachgewiesen. Sich auf eine einheitliche Schreibweise des Romanes zu einigen, ist bisher nicht gelungen.
Auf dem zweiten Roma-Weltkongress 1978 in Genf wurde die „International Romani Union“ (IRU) gegründet. Der Internationale Roma-Tag wurde bereits auf dem ersten Roma-Weltkongress 1971 in London eingeführt. Die Teilnehmer einigten sich auf die Eigenbezeichnung “Roma” für alle Gruppen der Nation weltweit, auf eine Nationalhymne und eine Fahne. Bei den Vereinten Nationen hat die IRU Beobachterstatus. Die Eigenbezeichnungen “Roma” und, vor allem in Deutschland, “Sinti” werden heute allgemein in Politik, Medien und Gesellschaft akzeptiert und verwendet.
Roma selbst benennen sich häufig nach Berufsgruppen (z. B. Lovara-Pferdehändler, Kalderaš-Kesselschmiede), nach geografischer Herkunft (z. B. Polska Roma, Vlach Roma) oder nach den Armeen, in denen sie gedient haben (z. B. Preußen: Preistike, Österreich-Ungarn: Sinte Estreharja). Wovon der Begriff Sinti abgeleitet wurde, ist ungeklärt.
Sinto = männliche Bezeichnung, Sintezza = weibliche Bezeichnung, Sinti = Plural
Der Romanes-Dialekt der Sinti ist infolge des mehr als 600jährigen Aufenthalts im deutschen Sprachgebiet durch die deutsche Sprache geprägt. Sinti leben vor allem in Deutschland, aber auch in den Niederlanden, Polen und Norditalien leben. In Frankreich nennen sie sich "manouches", was im Romanes wie im Sanskrit „Menschen“ bedeutet (Singular: manouche = Mensch).